Volumen & Order Flow04
Lektion 04 Teil II · Cluster & Order Flow Interaktiv
№ 04 — DE
← Lektion 03
Lektion 04 · Teil II · Cluster & Order Flow

Volumen je Preis, nicht je Zeit.

Bisher lasen wir Volumen entlang der Zeit — ein Balken pro Intervall. Dreht man es um 90° und summiert es je Preisstufe, entsteht das Volume Profile. Es zeigt, wo der Markt am meisten gehandelt hat — und damit, welche Niveaus akzeptiert und welche abgelehnt wurden. Die Landkarte der Liquidität.

Lesedauer14 Min.
NiveauAufbau
InteraktivProfil-Umschalter
Abb. 1 · Volume Profile
POC · Value Area
00Die Idee

Eine Landkarte der Akzeptanz.

An Preisen, die der Markt für fair hält, wird viel gehandelt — der Kurs verweilt, das Profil wird dick. Preise, die er ablehnt, durcheilt er schnell — dort bleibt das Profil dünn. Das Volume Profile macht aus dieser Wahrheit eine Landkarte: dicke Knoten sind Magnete, dünne Stellen sind Durchgangszonen.

POCSchwerpunkt
Point of ControlDie Preisstufe mit dem höchsten gehandelten Volumen — der Schwerpunkt, um den der Markt am stärksten ringt. Hier wird der Preis am meisten akzeptiert; ein magnetisches Niveau, zu dem der Kurs gern zurückkehrt.
VAVAH · VAL
Value AreaDie Spanne, in der rund 70 % des Volumens stattfanden, begrenzt von Value Area High (VAH) und Low (VAL). Innerhalb = „fairer Wert", außerhalb = der Markt sucht neuen Wert. Die Kanten der VA sind starke Reaktionszonen.
HVNKnoten
High Volume NodeEine Preiszone mit viel Volumen — Akzeptanz, Gleichgewicht. Der Kurs verweilt hier und kehrt gern zurück. HVNs wirken wie Magnete und bremsen Bewegungen ab.
LVNLücke
Low Volume NodeEine Preiszone mit wenig Volumen — Ablehnung. Der Markt ist hier schnell durchgelaufen. Kurse durcheilen LVNs erneut zügig; sie taugen als saubere Grenzen zwischen zwei Wertbereichen.
01Die Form

Balance gegen Initiative.

Die Form des Profils erzählt, was im Markt geschah. Ein ausgewogenes Profil bedeutet Gleichgewicht; ein einseitiges verrät eine treibende Kraft. Schalten Sie zwischen beiden um und beobachten Sie, wohin sich der POC verschiebt.

  • P
    POC — der dickste Knoten markiert den Schwerpunkt. Verschiebt er sich, verschiebt sich die Überzeugung des Marktes.
  • V
    Value Area — die ±70 %-Zone. Ihre Kanten (VAH/VAL) sind die Linien, an denen Reaktionen entstehen.
  • L
    LVN — dünne Stellen, durch die der Kurs zügig durchläuft. Saubere Trennlinie zum nächsten Wertbereich.
02In der Praxis

Wie man das Profil nutzt.

Das Volume Profile ist kein Signalgeber, sondern ein Kontext-Werkzeug. Es beantwortet drei Fragen, die ein gewöhnlicher Chart nicht beantwortet.

1
Wo liegen die Magnete?

HVNs und der POC ziehen den Kurs an. Nähert er sich von außen, ist eine Reaktion oder ein Verweilen wahrscheinlich. Ein verlassener POC wird oft erneut getestet.

2
Wo sind die Durchgänge?

LVNs sind dünne Zonen, durch die der Kurs schnell läuft. Bricht er in ein LVN ein, ist eine zügige Bewegung bis zum nächsten HVN wahrscheinlich — saubere Ziele und Grenzen.

3
Akzeptanz oder Ablehnung?

Verbringt der Kurs Zeit außerhalb der Value Area und baut dort neues Volumen auf, akzeptiert der Markt den neuen Wert. Kehrt er schnell zurück, hat er ihn abgelehnt — ein Fehlausbruch.

03Mitnehmen

Volume Profile auf einen Blick.

Drei Gedanken zur Landkarte der Liquidität.

01
Volumen je Preis

Das Profil summiert Volumen je Preisstufe statt je Zeit und zeigt so, welche Niveaus akzeptiert und welche abgelehnt wurden.

02
POC & Value Area

Der POC ist der magnetische Schwerpunkt, die Value Area die faire Spanne. Ihre Kanten sind die wichtigsten Reaktionszonen.

03
Knoten & Lücken

HVNs bremsen und ziehen an, LVNs lassen den Kurs durchlaufen. Zusammen liefern sie Ziele, Grenzen und Kontext.

Weiter — Lektion 05 →
Footprint & Cluster-Charts